Mirow / Mecklenburg-Vorpommern.
Mehr als 50 Vertreterinnen und Vertreter von Bürgerinitiativen, Kommunen und Umweltorganisationen aus ganz Mecklenburg-Vorpommern haben am 31. Januar 2026 in Mirow einen dringenden Kurswechsel in der Energiepolitik gefordert. Tenor des Treffens: Der derzeitige Ausbau von Windenergieanlagen erfolgt gegen den erklärten Willen vieler Bürger, überfordert Natur und Landschaft und untergräbt demokratische Beteiligung.
Die Teilnehmenden kritisieren, dass trotz zahlreicher Stellungnahmen, Bürgerproteste und hunderter Unterschriften der Ausbau nahezu unbeirrt fortgesetzt wird. Kommunen und Bürger fühlten sich zunehmend entmachtet, während Entscheidungen faktisch auf übergeordnete Ebenen verlagert würden. Bürgerbeteiligung werde vielfach als formaler Akt ohne reale Wirkung wahrgenommen.
Besonders scharf fiel die Kritik an den zugrunde liegenden Umweltberichten aus. Nach Einschätzung vieler Anwesender würden darin zentrale Schutzgüter unzureichend oder gar nicht berücksichtigt – darunter Trinkwassereinzugsgebiete, Moore, sensible Landschaftsräume, touristische Schwerpunkte sowie Brut- und Jagdgebiete streng geschützter Vogelarten. Gleichzeitig gehe wertvolle landwirtschaftliche Fläche durch Wind- und Solarprojekte verloren.
Auch die wirtschaftliche Logik des Ausbaus wurde infrage gestellt. Trotz massiver Subventionen, fehlender Speicherlösungen und erheblicher Netzengpässe werde weiter geplant. Anlagen stünden regelmäßig still, während Landschaften dauerhaft industrialisiert würden. Viele Teilnehmende sprachen von einer Fehlsteuerung mit langfristigen Folgen, deren Kosten Bürger, Kommunen und Umwelt tragen.
Deutliche Worte fanden die Initiativen auch zur politischen Verantwortung. Zahlreiche Wahlversprechen, den Ausbau dort zu begrenzen, wo Bürger ihn nicht wollen, seien nach den Wahlen nicht eingehalten worden. Das Vertrauen in politische Entscheidungsprozesse habe dadurch erheblichen Schaden genommen.
Als Konsequenz verständigten sich die Anwesenden auf eine enge landesweite Vernetzung unter dem Dach des Bündnisses „Freier Horizont“. Ziel ist es, den Widerstand zu bündeln, rechtliche Prüfungen voranzutreiben und den politischen Druck auf Landes- und Bundesebene deutlich zu erhöhen. Eine Bundestagspetition befindet sich bereits in der Beratung; weitere Gespräche mit politischen Entscheidungsträgern sind angekündigt. Ein Folgetreffen ist für das Frühjahr geplant.
Mit der „Mirower Erklärung“ liegt zudem ein gemeinsames Positionspapier vor, das einen sofortigen Stopp weiterer Planungen, eine Neubewertung der Energiepolitik und eine Rückkehr zu echter Bürger- und Kommunalbeteiligung fordert.
Die Initiativen machen unmissverständlich klar:
Der Widerstand richtet sich nicht gegen eine Energiewende an sich – sondern gegen eine Politik, die sie gegen Menschen, Natur und demokratische Grundprinzipien durchsetzt.